Unterm Strich - Brot mit Beziehung  

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In Brot war lange Zeit für mich ein Brot. "Das da!" habe ich der Bäckereifachverkäuferin gesagt und dabei wild mit dem Finger herumgefuchtelt. Ein Brot war ein Brot. Gekauft, gegessen, fertig. Das änderte sich vor einigen Wochen: Da hieß das Brot plötzlich "Karl, der Hase". Schlagartig und ohne mich dagegen wehren zu können, entwickelte ich eine persönliche Beziehung zu meinem Brot. "Karl, der Hase" isst man nicht einfach so. Und man schmiert auch keine Butter drauf. Dafür ist "Karl, der Hase" viel zu schade. Allein schon, weil er mir eine innige Beziehung zu meiner Bäckereifachverkäuferin ermöglicht. "Ein Karl, der Hase, bitte!" Bei diesem Satz kann man sich nur hingebungsvoll anlächeln. Vielleicht heiraten wir noch diesen Sommer. Wobei der Knoten nicht bei "Karl, der Hase" platzte, sondern einige Zeit später, als "Bernd, das Brot" auf den Markt kam. "Bernd, das Brot" ist eigentlich eine Grimme-preisgekrönte Figur im Kinderkanal, den bald schon mit Begeisterung die Kinder sehen, die ich mit der Bäckereifachverkäuferin haben werde. Komischerweise entwischte "Bernd, das Brot" dem Kinderkanal und lag eines Morgens im Brotregal. "Weil es Karl-der-Hase nicht mehr gibt, versuche ich es jetzt mit Bernd-das-Brot" sagte ich zu der liebgewonnenen Person hinter der Theke. Irgendwie wussten wir beide: Das war nicht einfach ein Brotkauf _ das war ein Eheversprechen.
Die Trauzeugen stehen auch schon fest: Karl und Bernd haben zugesagt.


Frank Weichhan
Redakteur
Main-Post Kitzingen